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14. MEXICAN STAND-OFF

Mark schwang den Shaker. In einer fließenden Bewegung goss er den Mai Thai ins Cocktailglas, hob seinen Blick Richtung Carmen und fand dort ein entspanntes Grinsen, das eine Tendenz ins Lüsterne zeigte. Neben ihm stand Katze. Neugierig. Lauernd.
„Und wo habt ihr euch kennengelernt, Carmen?“ Katzes Lächeln erinnerte Mark an eine Königscobra beim Anblick eines frischen Ratten-Wurfs.
Carmens „Bei mir in der Küche“ entsprach der Wahrheit. Leider hatte Marks spontaner Zwischenruf „In der Uni“ weniger mit der Wahrheit zu tun. Und weckte sofort Katzes investigatives Interesse. Wieso konnte er nicht einfach die Fresse halten? Wieso musste er eine an und für sich total relaxte Situation so dämlich sabotieren?
„In der Uni-Küche?“, fragte Katze unschuldig nach.
„Nein, in Carmens Küche. Aber wir studieren auch zusammen“, schob Mark nochmal engagiert hinterher.
„Na ja“, bemerkte Carmen überflüssigerweise und ließ sich auch von Marks Gesichtsgewitter nicht bremsen, „das wusste ich doch bis heute morgen noch gar nicht. An der Uni haben wir uns nie gesehen.“
Katze schob ihr lächelnd die Hand hin.
„Hallo, Carmen. Sorry, dass ich so indiskret sein muss. Aber Mark … überschreitet manchmal Grenzen. Und eine heißt: Keine Frauen in der Bar abschleppen.“
„Ach was“, Carmen lachte Mark lüstern an. „Aus welchem Jahrhundert stammt das denn?! Ich dachte, in der Gastronomie geht‘s ausschließlich ums Amüsement.“
Damit nahm sie den Strohhalm auf eine Art in den Mund, die Dita von Teese die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätte. Mark spürte, wie die Situation ihm Atom für Atom entglitt. Er wusste nicht warum. Doch er wusste, dass er die fatale Kettenreaktion nicht mehr würde aufhalten können. Jetzt ging es nur noch darum, an einen Ort zu fliehen, den Katze in ihrem Zorn nicht erreichen konnte.
„Außerdem kann Mark in seinem Laden doch machen, was er will“, hörte Mark Carmen sagen. Sie garnierte auch diese Aussage mit einem Lächeln, das ihren Hals und ihre Beischlafbereitschaft freilegte. Mark fühlte sich wie ein instabiles Brennelement. Er musste retten oder fliehen. Aber wen und wohin?
„In seinem Laden?“, gurrte Katze, „das Glamrock ist mein Laden.“
Carmen verdrehte die Augen. „Wegen mir auch euer Laden. Mich interessieren hier die Drinks, nicht die Grundbucheinträge.“
Mark räusperte sich hilflos. Katzes Nasenflügel blähten sich auf, ein untrügliches Zeichen, dass sie jeden Moment ausrasten würde.
„Sag mal“, wandte sich Carmen jetzt wieder an ihn, „hier ist doch eh nicht viel los.“ Sie zeige mit dem Daumen auf Katze. „Kann die nicht allein abschließen? Ich hätte Bock, noch ein bisschen abzugehen. Also wegen mir auch nur tanzen. Wenn sonst ihre Gebärmutter wandert wegen Barmann abschleppen und so.“
Mark fühlte eine große Müdigkeit in sich aufsteigen. Es würde noch eine, vielleicht zwei Minuten dauern. Dann würde Katze detonieren wie eine H-Bombe.
Wieso zog Carmen diese Show ab? Aus Rache? Weil er sie angegraben hatte, obwohl er Sex mit ihrer Mitbewohnerin Eva gehabt hatte? Oder, und das war die eigentlich groteske Vorstellung, meinte sie das Geflirte ernst?
Katzes Augen hatten sich inzwischen zu kleinen Schlitzen verengt. Sie musterte Carmen, die ihren Strohhalm unbeeindruckt liebkoste wie eine Eichelspitze. Plötzlich entspannte Katze sich und grinste.
„Ich bin neugierig, wie du die loswirst“, raunte sie Mark zu und verschwand im Büro. Er nickte. Er würde Katze beweisen, dass er ihre Stalker-Botschaft wirklich verstanden hatte.
Leider zog das Schicksal es vor, ihn mit einem spontanen Mexican Standoff herauszufordern.
Denn mit einem Mal öffnete sich die Eingangstür des Glamrock. Und schenkte dem Abend eine zunächst bestgelaunte Eva, deren Eintritts-Lächeln jedoch zügig vereiterte, als sie ihre Mitbewohnerin erblickte.
„Carmen?!“

Posted: Oktober 3rd, 2011
Categories: Mark, Neptunplatz
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